Höhere Mathematik sehen und verstehen
ISBN 978 662 69291 2 Auflage 2   Book         Springer Spektrum
ISBN 978 662 69292 9 Auflage 2 eBook
www.mathematik-sehen-und-verstehen.de    
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Dörte Haftendorn

Dieter Riebesehl

Hubert Dammer


Kapitel 5     Numerik
5.1 Fehler 5.2 Nullstellensuche 5.3 Interpolation, Gestaltung 5.4 B-Splines, NURBS 5.5 Numerische Integration 5.6 Numerische DGLn
Anregungen Anregung 5.1 Heronverfahren für höhere Exponenten Anregung 5.3 NURBS-Erkundung für Einheitskreise Anregungen und Lösungen
Anregung 5.2 Rationale Parametrisierung für den EK Anregung 5.4 2. Metamorphose der Trisektrix
ALLE BILDER (außer den Icons) erscheinen beim Anklicken in neuem Tab in dreifacher Größe.




5.1 Numerische Fehler
Abschnitt
5.1.2
Seite 389
Auflage 1:
5.1.1.1
Seite 351


Iteration für \(\pi\)
Seitenzahl: \(n=12\)
Segmenthöhe: \(k_n=0.5\)
Vieleckfläche: \(\displaystyle A_n=\frac{n}{2}k_n=3\)
Verdopplung:
\(k_{2n} = \) \(\displaystyle\sqrt\frac{1-\sqrt{1-k_n^2}}{2}\), \(A_{12\cdot2^m} = 3\cdot2^m\stackrel{\mbox{ \(m+1\) Wurzeln}}{\sqrt{2 - \sqrt{2+\sqrt{2+\dots\sqrt{3}}}}}\) \(\xrightarrow{m\to\infty}\pi\) für \(m\ge1\)

Zwölfeck.ggb
Abschnitt
5.1.2
Seite 389
Auflage 1:
5.1.1.1
Seite 351

Abb. 5.1 Iterative Berechnung von \(\pi\). In der Excel-Tabelle sind ein paar Zeilen ausgelassen. In der rechten Grafik ist aber für alle Zeilen der erreichte relative Fehler der Näherung für \(\pi\) aufgezeichnet. An der y-Achse stehen die dekadischen Logarithmen des relativen Fehlers, also z.B. \(-4\) für \(10^{-4}\).


ApproximationPi.xlsx
Abschnitt
5.1.2
Seite 390
Auflage 1:
5.1.1.1
Seite 352

Abb. 5.2 Stabile iterative Berechnung von \(\pi\).
\(n\) ist die Eckenzahl der regelmäßigen \(n\)-Ecke aus der 12-Eck-Familie, \(k_n\) sind die Höhen der Segmente, \(A_n\) ist die Gesamtfläche des \(n\)-Ecks, die im Grenzwert für \(n\to\infty\) gerade \(\pi\) sein muss. Nur der Anfang und der Schluss der Rechnung sind gezeigt.


ApproximationPi.xlsx


5.2 Nullstellensuche


5.2.1 Bisektion
Abschnitt
5.2.1
Seite 391
Auflage 1:
Seite 353


Abb. 5.3 Intervallschachtelungen. Bei allen Verfahren ist unten eine Intervallschachtelung angegeben, In a) und b) wird sie durch fortgesetzte Halbierung, Bisektionen, gefunden. c) zeigt die Lösung des Problems mit einer rekursiven Folge zur Fixpunktgleichung \(\cos x = x\), siehe Abschnitt 5.2.4.


bisektion.ggb


5.2.2 Sekantenverfahren
Abschnitt
5.2.2
Seite 392
Auflage 1:
Seite 354


Abb. 5.4 Sekantenverfahren. Neue Näherung \(x_2\) ist die Nullstelle der Sekante durch die Graphenpunkte an den Enden des Intervalls \([x_0,x_1]\). Mit einfacher Rechnung und \(y_i=f(x_i)\), \(i=0,1\), ergibt sich \[ x_2 =\frac{y_0 x_1-y_1 x_0}{y_0-y_1}. \] Das neue Intervall ist \([x_0,x_2]\) oder \([x_2,x_1]\), je nachdem, welches Vorzeichen \(f(x_2)\) hat. Man sieht hier, dass man für die Funktion \(f(x) = \cos x - x\) und Start bei \(x_0=0.2,\ x_1=1\), mit \(x_3=0.74\) schon 2-stellige Genauigkeit der Nullstelle erreicht hat.


sekanten-verfahren.ggb


5.2.3 Newtonverfahren
Abschnitt
5.2.3
Seite 393
Auflage 1:
Seite 355


Abb. 5.5 Nullstellensuche mit dem Newtonverfahren für \(f(x) = {\rm e}^x-4x\). Es sind je zwei gekoppelte Grafikfenster nebeneinander dargestellt. Links ist jeweils der Funktionsgraph und die definierende Tangentenfolge, rechts die Trägerfunktion der Newton-Iteration mit der Folge der Näherungspunkte zu sehen. a) und b) zeigen ein "übliches" Beispiel, bei dem die Näherungsfolge monoton fallend auf die gesuchte Nullstelle zuläuft. c) und d) zeigen einen anderen Ausschnitt derselben Funktion. Damit erklären sich einige Überraschungen, die man mit der Newton-Iteration erleben kann. Der Text geht darauf in Abschnitt 5.2.4.2 ein.


newton_it-DH1.ggb
newton_it-DH2.ggb
newton_it-DH3.ggb
Abschnitt
5.2.4.1
Seite 395
Auflage 1:
Seite 357


Abb. 5.6 Wie schnell konvergiert das Newtonverfahren? Man misst die Konvergenzgeschwindigkeit daran, mit welchem Faktor die Anzahl der richtig berechneten Stellen von Schritt zu Schritt wächst. Hier werden die gelben Balken, die dies anzeigen, bei jedem Schritt etwa doppelt so lang.


Abschnitt
5.2.4.2
Seite 396
Auflage 1:
Seite 358


Abb. 5.7 CAS mit GeoGebra und Überraschung beim Newtonverfahren. a) zeigt die Berechnung der Trägerfunktion des Newtonverfahrens und die Berechnung von Folgenwerten. In b) und c) sind wieder zwei gekoppelte Grafikfenster nebeneinander dargestellt, aber diesmal für die Nullstelle von \({\rm e}^x-2.7x\). Betrachtet man nur berechnete Folgenglieder, ohne auf einen Graphen zu achten, könnte man meinen, die Folge konvergiere gegen einen Wert zwischen \(x_3\) und \(x_6\). In c) erkennt man aber, dass die rekursive "Treppchenfolge" überhaupt nicht konvergieren wird. Ein Zoom im Fenster b) hätte auch gezeigt: Es gibt gar keine Nullstelle.


newton-it-cas1.ggb
newton-it-cas2.ggb
newton-it-cas4.ggb


5.2.4 Heron-Verfahren
Abschnitt
5.2.5.1
Seite 397
Auflage 1:
Seite 359


Abb. 5.8 Das Heronverfahren als Rekursion. a) zeigt eine Parabel mit der Nullstelle \(\sqrt{r}\), die mit dem Newtonverfahren approximiert wird. b) verfolgt mit dem Startwert \(x_0\) die Heronfolge im gekoppelten Fenster in der iterativen Treppendarstellung. Wenn Sie in GeoGebra \(x_0\) oder den Radikanden \(r\) verändern, reagieren beide Darstellungen gemeinsam. In Bild b) ist die Trägerfunktion eine Hyperbel.


heron-newton_it.ggb
Anregung 5.1
Abschnitt
5.3.5.1
Seite 397
Lösung der Anregungen
Anregung 5.1 (Heron-Verfahren für höhere Wurzeln)
Ein Vorschlag für eine Verallgemeinerung des Heronverfahrens zur Berechnung von \(\sqrt[k]r\) ist die Rekursion

\( x_{n+1}=\frac{1}{2}\left(x_n+\frac{r}{x_n^{k-1}}\right)\).

Berechnen Sie den Fixpunkt und untersuchen Sie die Konvergenz bzw. Divergenz. Erhält man dasselbe, wenn man stattdessen wieder mit dem Newtonverfahren arbeitet?
Variieren Sie in der GeoGebra-Datei obigen das \(k\) und sehen Sie sich die Entwicklung der Treppchen an.


5.3 Interpolation und Kurven gestalten

5.3.1 Interpolation mit Poynomen
Abschnitt
5.3.1.2
Seite 400
Auflage 1:
Seite 362


Abb. 5.9 Interpolation nach Lagrange. a) zeigt Lagrange-Basis-Polynome, die an genau 3 Stützstellen Nullstellen haben. In b) wird z.B. der Faktor \(c_b\) für \(L_B(x)\) gefunden, der \(L_B\) so staucht, dass \(B\) auf dem Graphen liegt. Das rote Interpolationspolynom entsteht auf diese Weise.


LagrangePolynome.ggb
Abschnitt
5.3.1.2
Seite 401
Auflage 1:
Seite 363


Abb. 5.10 Kostenfunktion als Lagrange-Polynom, aus ihr wird alles, was noch dargestellt ist, berechnet. Erfahren Sie durch Ziehen an den gegebenen Punkten, wie überraschend deutlich die Wirtschaftsaussagen, die sich daraus ergeben, auf kleine Änderungen der Lage reagieren.


lagrange_wirtschaft3.ggb
Abschnitt
5.3.1.3
Seite 402
Auflage 1:
Seite 364


Abb. 5.11 Das Newton'sche-Interpolations-Polynom ist eine Linearkombination der Newton'schen Basispolynome, die aus immer mehr Linearfaktoren \((x-\mbox{Stützstelle})\) aufgebaut sind und mit den passenden Koeffizienten immer mehr Stützpunkte genau treffen.


newton_interpolation.ggb

5.3.2 Interpolation mit kubischen Splines
Abschnitt
5.3.2
Seite 403
Auflage 1:
Seite 365


Abb. 5.12 Gauß'sche Glockenkurve und Interpolationspolynom. a) Die Punkte \(A,\,\dots,\,G\) liegen auf der Glockenkurve, das blaue Interpolationspolynom passt nach Sicht brauchbar in deren Bereich. b) Wie gut die Passung wirklich ist, sieht man durch Visualisierung der Differenzen zur Glockenkurve. für verschiedene Stellungen von \(F\) zwischen \(A\) und \(G\) ist je eine solche "Fehlerkurve" gezeichnet.


interpol-gauss-deutlich.ggb

5.3.3 Kurvengestaltung mit Bézier-Splines
Abschnitt
5.3.2.1
Seite 404
Auflage 1:
Seite 366


Abb. 5.13 Poeler Kogge und Splines. Einsatz von Splines (drei durchgezogene bunte Stücke) für die Balkenform der Kogge, die Nägel sind in den Punkten \(A,B,C,D\) zu denken.
Leider kann man die Punkte (noch) nicht ziehen, weil wir die Koeffizienten aus einer Berechnung mit Mathematica übertragen haben. Später kann man dann selbst ein anderes Bild hinterlegen.

poelerkogge3.ggb
Abschnitt
5.3.2.2
Seite 405
Auflage 1:
Seite 367


Abb. 5.14 Basisfunktionen für kubische Splines. Links: \(b_0,\ b_3\), und 6-fach überhöht \(b_1,\ b_2\). Rechts: Ein damit erstellter nat ürlicher Spline durch 5 Nägel, in vier Farben durchgezogen dargestellt. Die Nägel sind frei verschiebbar. Zum Vergleich ist das Interpolationspolynom schwarz gestrichelt dazu gezeichnet. Man sieht, dass der Spline wesentlich weniger "ausschwingt". Orange gestrichelt ist das Ergebnis des GeoGebra-Befehls Spline(A,B,C,D,E), siehe dazu den Text.


BasisKubSplinesNatuerl.ggb
SplineKub5Punkte.ggb
Abschnitt 5.3.2.2
Seite 406
Auflage 1:
Seite 368

Hier finden Sie die Ableitungen der Spline-Basisfunktionen und die Herleitung der Gleichungen zur Splineberechnung.
Zunächst tabellarisch die Basisfunktionen und deren Ableitungen an den Intervallenden 0 und 1:

\[ \begin{array}{|l|l|l|l|} \hline b_0(x) = 1 - x & b'_0(x) = -1 & b'_0(0) = -1 & b'_0(1) = -1 \\ \hline b_1(x) = \frac{1}{6}(1-x)(x-2)x & b'_1(x) = \frac{1}{6}\left((2-x)x + (1-x)x + (1-x)(2-x)\right) & b'_1(0) = -\frac{1}{3} & b'_1(1) = \frac{1}{6} \\ \hline b_2(x) = \frac{1}{6}(x-1)(x+1)x & b'_2(x) = \frac{1}{6}\left((x+1)x + (x-1)x + (x-1)(x+1)\right) & b'_2(0) = -\frac{1}{6} & b'_2(1) = \frac{1}{3} \\ \hline b_3(x) = x & b'_3(x) = 1 & b'_3(0) = 1 & b'_3(1) = 1 \\ \hline \end{array} \] Die im Punkt \(B\) zusammentreffenden Splinepolynome sind mit den Bezeichnungen aus dem Buch

\( p_{AB} = A_y b_0^{AB} + c_A b_1^{AB} + c_B b_2^{AB} + B_y b_3^{AB} \quad \) und \( \quad p_{BC} = B_y b_0^{BC} + c_B b_1^{BC} + c_C b_2^{BC} + C_y b_3^{BC} \).

Die Bedingung einer stetigen 1. Ableitung im Punkt \(B\) führt zu \( p_{AB}'(B) = p_{BC}'(B).\) Hier setzt man die oben angegebenen Ableitungen ein und nutzt aus, dass \( b_i^{BC} \) einfach das nach rechts verschobene \( b_i^{AB} \) ist:

\( A_y b_0'(1) + c_A b_1'(1) + c_B b_2'(1) + B_y b_3'(1) = B_y b_0'(0) + c_B b_1'(0) + c_A b_2'(0) + C_y b_3'(0)\)

\( -A_y + \frac{1}{6}c_A + \frac{1}{3}c_B + B_y = -B_y - \frac{1}{3}c_B - \frac{1}{6}c_A + C_y \)

\( \frac{1}{6}c_A + \frac{2}{3}c_B + \frac{1}{6}c_C = C_y - 2B_y + A_y\)

\( \frac{1}{6}(c_A + 4c_B + c_C) = C_y - 2B_y + A_y\)

Das ist die erste der Gleichungen, die anderen ergeben sich daraus durch Verschiebung zu den nächsten Punkten.

Abschnitt
5.3.3
Seite 407
Auflage 1:
Seite 369


Abb. 5.15 Bézierkurve a) zusammen mit ihren Steuerpunkten \(A,B,C,D\), in b) erzeugt aus ihrem "Gerüst": Man wählt einen Prozentsatz \(t\) zwischen 0 und 1, hier \(t=0.4=40\%\), und markiert auf jedem der schwarzen Gerüstvektoren den \(40\%\)-Punkt von \(A\), von \(B\) und von \(C\) aus. Auf den zwei sich daraus ergebenden Vektoren (orange) werden wieder die \(40\%\)-Punkte markiert. Im nächsten Schritt (rosa) hat man so den Punkt \(P\) der Bézierkurve erzeugt. Diese ist der geometrische Ort von \(P\) bei jeder Wahl von \(t\). Siehe auch Abb. 5.16 und Seite 372.


bezier_Geruest.ggb
Abschnitt
5.3.3.1
Seite 408
Auflage 1:
Seite 370


Abb. 5.16 Bézierkurve als Parameterkurve mit Bernstein-Polynomen. a) zeigt den Bézierspline, mit dem man einen Notenbogen anpassen kann, siehe Abb. 5.15 und Seite 410. b) Die vier Bernstein-Polynome sind eine Basis für den Polynomraum \(\Pi_3\), wir verwenden sie im Intervall [0,1]. c) zeigt, wie die Koordinaten von \(B\) als Koeffizienten von \(b_1\) in der Parameterkurve wirken.


bezier_parameterkurve-summanden-buch.ggb
Abschnitt
5.3.3.2
Seite 409
Auflage 1:
Seite 371


Abb. 5.17 Bézierkurve als Parameterkurve.
Allgemeine Erklärung für Parameterkurven.
Die Koordinaten eines Kurvenpunktes \(P\) sind Funktionen \(x(t),\ y(t)\) eines Parameters \(t\). Diese beiden Funktionen sind hier zusätzlich dargestellt, und zwar so, dass die Parameterkurve durch die waagerechten und senkrechten gestrichelten Linien geometrisch entstehen kann. Sie können an \(t\) ziehen, damit \(P\) wandern lassen, aber auch das "Gerüst" verändern.


Bezier anschaulich.ggb
Abschnitt
5.3.3.3
Seite 410
Auflage 1:
Seite 372


Abb. 5.18 Krümmung des Béziersplines in \(A\), dargestellt durch den blauen Krümmungskreis, mit seiner Spur in GeoGebra. a) zeigt, dass sich bei Verlängerung von \(\overrightarrow{AB}\) die Krümmung ändert. In b) ändert sich die Höhe \(k\) des Dreiecks \(ABC\) nicht, wenn \(C\) auf der Parallelen zu \(AB\) wandert, also bleibt die Kr ümmung gleich. c) zeigt beispielhaft, dass eine beliebige Veränderung von \(D\) keinen Einfluss auf die Krümmung in \(A\) hat.


Bezier-kruemmung.ggb
Abschnitt 5.3.3.3
Seite 410
Auflage 1:
Seite 372

Die Krümmungsformel für den Beziérspline im Punkt \(A\) lautet \[ \kappa = \frac{2k}{3\Big|\Big|\overrightarrow{AB}\Big|\Big|} \] mit der Höhe \(k\) auf der Seite \(AB\) im Dreieck \(ABC\). Die Herleitung benutzt die Formel \[ \kappa = \frac{\ddot y\dot x - \ddot x \dot y}{(\dot x^2 + \dot y^2)^{\frac{3}{2}}}. \] Sie ist anzuwenden auf die Parameterdarstellung \[ \vec P = \begin{pmatrix} P_x \cr P_y\end{pmatrix},\quad \begin{array}{cccccc} &P_x(t)=&A_x b_0(t)&+\;B_x b_1(t)&+\;C_x b_2(t)&+\;D_xb_3(t) = x(t),\\ &P_y(t)=&A_y b_0(t)&+\;B_y b_1(t)&+\;C_y b_2(t)&+\;D_yb_3(t) = y(t), \end{array} \] oder ausgeschrieben \[ \vec P = \begin{pmatrix} x(t) \cr y(t)\end{pmatrix} = \vec A (1-t)^3 + 3\vec B (1-t)^2 t + 3\vec C (1-t)t^2 + \vec D t^3. \] Wir rechnen die nötigen Ableitungen im Punkt \(A\), also für \(t=0\) aus. Dabei nehmen wir von vornherein nur Terme mit, die keinen Faktor \(t\) enthalten, da sie ohnehin wegfallen. Bei der Anwendung der Produktregel schreiben wir also nur die Terme auf, in denen alle \(t\)-Faktoren "wegdifferenziert" wurden: \[ \begin{pmatrix} \dot x(t) \cr \dot y(t)\end{pmatrix}\Bigg|_{t=0} = \Big(-3\vec A (1-t)^2 + 3\vec B(1-t)^2\Big)\Big|_{t=0} = 3\vec B - 3\vec A. \] Vorsicht: für die zweiten Ableitungen müssen wir wieder auf \(\vec P\) schauen, weil nun auch \(\vec C\) einen Beitrag leisten wird: \[ \begin{pmatrix} \ddot x(t) \cr \ddot y(t)\end{pmatrix}\Bigg|_{t=0} = \Big(6\vec A (1-t) - 12\vec B(1-t) + 6\vec C(1-t)\Big)\Big|_{t=0} = 6\vec C - 12\vec B + 6\vec A. \] \(\vec B\) hat einen Faktor 12 statt 6, weil wir bei diesem Summanden bei Anwendung der Produktregel offenbar einmal den \(t\)-Faktor und einmal den \((1-t)\)-Faktor ableiten müssen, aber dafür gibt es zwei Reihenfolgen, die bei der zweimaligen Anwendung der Produktregel auch beide vorkommen. Wenn Sie diesem Argument nicht folgen können, dann müssen Sie alles "zu Fuß" nachrechnen.

Nun ist alles in die Krümmungsformel einzusetzen: \[ \kappa = \frac{3(B_x-A_x)\cdot6(A_y-2B_y+C_y) - 3(B_y-A_y)\cdot6(A_x-2B_x+C_x)} {\big( 9(B_x-A_x)^2 + 9(B_y-A_y)^2 \big)^{\frac{3}{2}}} = \frac{18}{27}\frac{B_xC_y + A_xB_y - A_xC_y - B_yC_x - A_yB_x + A_yC_x} {\Big|\Big|\overrightarrow{AB}\Big|\Big|^3}. \] Jetzt kommt die Dreieckshöhe \(k\) ins Spiel. Die Fläche des Dreiecks \(ABC\) errechnet sich zu \(\frac{1}{2}k\Big|\Big|\overrightarrow{AB}\Big|\Big|\), das Doppelte davon ist aber gerade die Fläche des von \(\overrightarrow{AB}\) und \(\overrightarrow{BC}\) aufgespannten Parallelogramms. Letztere lässt sich aber auch als \(\Big|\overrightarrow{AB}\times\overrightarrow{BC}\Big|\) schreiben. Dieses Kreuzprodukt hat einen Wert, der sich als Determinante mal einen Einheitsvektor \( \vec e_{\bot} \)schreiben lässt, welcher auf der Ebene, die von \(ABC\) aufgespannt wird, senkrecht steht: \[ \overrightarrow{AB}\times\overrightarrow{BC} = \begin{vmatrix} B_x-A_x & C_x-B_x \cr B_y-A_y & C_y-B_y \end{vmatrix}\cdot\vec e_{\bot}, \] was ausmultipliziert genau den obigen Zähler für \(\kappa\) ergibt! Damit hat man \[ \kappa = \frac{2}{3}\frac{k\Big|\Big|\overrightarrow{AB}\Big|\Big|} {\Big|\Big|\overrightarrow{AB}\Big|\Big|^3} = \frac{2}{3}\frac{k} {\Big|\Big|\overrightarrow{AB}\Big|\Big|^2} \]


5.3.4 Bézier-Raumflächen
Abschnitt
5.3.4
Seite 411
Auflage 1:
Seite 373


Abb. 5.19 Bézierfläche, erzeugt aus ihrem "Gerüst":
a)
Realisierung in Mathematica.
b) für die Realisierung in GeoGebra nennt man im Tabellenfenster die z-Ordinaten für die Stützpunkte. Daraus wird eine Matrix \(ordi\) erzeugt, auf deren Komponenten man mit Indizes zugreifen kann. In griffiger Mathematica-Syntax ist in b) unten gezeigt, wie daraus mit den Bernsteinpolynomen die z-Komponente der Parameterdarstellung erzeugt wird. Sie ist ein Polynom 6. Grades in s und t.
c) Realisierung im 3D-Fenster von GeoGebra.
zu a) BezierFlaechen.nb, Mathematica Quelltext
Dies zum Lesen und Verstehen
 
zu b) und c) bezier-flaeche+geruest.ggb
Anmerkung: Die Funktion Oberfläche(s,t,z(s,t),s,0,3,t,0,3) geht stets verloren beim Öffnen. Laden Sie die ggb herunter und öffnen Sie sie dann von Hand im geöffneten GeoGebra. Kopieren Sie von hier    \(1+s-s^2/3-s^3/27+t+t^2/3-(s t^2)/3+(2 s^3 t^2)/81-(4 t^3)/27+(2 s t^3)/27-(s^2 t^3)/81-(2 s^3 t^3)/729\)
Tragen Sie diesen Term als z(s,t) in den Oberfläche-Befehl in die Eingabezeile ein. Dann entsteht Abb. 5.19 c).
Leider ist dies nur statisch. Wenn Sie aber stpoly (steht im Algebafenster) anstelle von z eintragen, können Sie mit unserer Datei können Sie dynamisch experimentieren.
Leider bleibt dies nicht beim Speichern erhalten. Die lange Summe f von oben, aber auch die für stpoly gemäß Abb. 5.19 b), lässt sich in GeoGebra schlecht eintippen. Man erzeugt sie besser in einem anderen Editor (wir nahmen Mathematica) und überträgt das mit Copy und Paste.
Wir haben dieses merkwürdige Verhalten dem GeoGebra-Team berichtet.


5.4 B-Splines und NURBS

5.4.1 Bézier-Spline breiter
Abschnitt
5.4.1
Seite 412
Auflage 1:
5.4
Seite 374


Abb. 5.20 Legende Bernsteinpolynome 3. Grades, wie sie für Béziersplines verwendet werden. a) als Graphen, b) gestapelt, ihre Summe ist \(=1\) für jedes \(t\) im Intervall \([0,\,1]\), c) Erweiterung mit drei weiteren Steuerpunkten und einer weiteren Bézierkurve: die Gesamtkurve ist i.A. an der Nahtstelle nicht differenzierbar.


bernsteinSumme.ggb

5.4.2 B-Splines

5.4.2.1 Rekursiver Aufbau der Basen für B-Splines
Abschnitt
5.4.2.1
Seite 414
Auflage 1:
Seite 376

Abb. 5.21 Aufbau der Basen für B-Splines. In der oberen Reihe sehen Sie rote Basisfunktionen mit wachsendem Polynomgrad, die blauen entstehen aus den roten jeweils durch Verschiebung um 1 nach rechts. Aus diesen beiden wird durch Gewichtung mit den darunter gezeichneten Geraden als Summe die nächste rote Basisfunktion gebildet. Dabei dient die orangefarbene Gerade als Gewicht für die rote, die hellblaue als Gewicht für die blaue Kurve. Die neue rote Basisfunktion hat ein um 1 breiteres Definitionsintervall. Sie wird wieder durch Verschiebung in blau gedoppelt.
a) Oben sind zwei Basissplines zu \(p=0\), unten haben die Geraden stets ein angepasstes Definitionsintervall und einen Wertebereich von 0 bis 1.
b) Rote Basisfunktion zu \(p=1\) mit Verschiebung in Blau.
So geht es weiter, für c) gilt \(p=2\), in d) ist \(p=3\).

Zwei GeoGebra-Dateien (links,rechts)
B-Spline-Basis1.ggb
B-Spline-Basis2.ggb

5.4.2.2 B-Splines mit vielen Steuenpunkten
Abschnitt
5.4.2.2
Seite 416
Aufl. 1
Seite 378

Abb. 5.22 Elemente eines langen B-Splines für 18 Punkte (\(A\) bis \(R\)).
a) Basiskurven vom Grad 3, die für 18 Punkte benötigt werden. Sie sind jeweils in einem Intervall der Breite 4 definiert.
b) 18 Punkte, die das Gerüst für den B-Spline bilden, und der B-Spline für \(3\le t\le 18\).
c) Die Graphen \(P_x(t)=A_x B_{0,3}(t)+\dots+ R_x B_{17,3}(t)\) in Grün und \(P_y(t)\) entsprechend in Blau.

B-Splines3Grad.ggb
B-Splines3Grad-PxPy-lang.ggb

Zusatz Didaktische B-Splines,
Polynome 4. Grades anstelle der rekursiv erzeugten B-Spline-Basen.

Zusatz zu
Abschnitt
5.4.2.2
Seite 416
Auflage 1:
Seite 378

Didaktische B-Splines

Abb. 5.22.Z1
In den Vorträgen in Münster und Saarbrücken ist ein Vorschlag gemacht, wie Lernende eigenständig NURBS erfinden können, genauer Vortrag Münster Folien 7 bis 10.
Der Begriff NURBS wird dabei in allgemenem Sinne verwendet, auch für Basisfunktionen mit uniformen Knoten.

Die gleichmäßigen B-Spline können durch Polynome 4. Grades näherungsweise dargestellt werden. Leider ist dabei die Summe der Basisfunktionen auch nur angenähert 1.

Der Effekt ist links dargestellt: Die didaktischen Splines (rot) folgen nicht so gut dem Polygon der Stützpunkte wie der echte B-Spline (lila).
Dieser Mangel, Summe ist nicht 1, wird auch in der nächsten Zusatz-Betrachtung vertieft.

Zusatz zu
Abschnitt
5.4.2.2
Seite 417
Auflage 1:
Seite 378


Wirkung von "Nicht Summe 1"

Warum muss die Summe der Basisfunktionen 1 sein?

Abb. 5.22.Z2
Bildet man die Steuerpunkte \(\{P_i\}=N,...,W\) affin mit einer Verschiebung um den Vektor \(\vec v=(30,-20)\) auf \(\{P'_i\}=N1,...,W1\) ab, so ist zu w ünschen, dass der Spline aus den Bildpunkten \( \{P'_i\}\), unten violett dargestellt, auch wirklich mit dem affinen Bild(unten grün) des Ur-Splines (der ist oben auch grün) übereinstimmt. Das ist HIER NICHT DER FALL, weil die Basisfunktionen der "didaktischen Nurbs" NICHT die Summe 1 haben. Der Spline der abgebildeten Punkte (unten violett) ist mit \(\vec u=(-30,+20) \) auch in die Umgebung des Ur-Splines, oben als roter unpassender Spline, zurückgeschoben.

Bezier+B-Splines22.nb, Mathematica Quelltext
Dasselbe mit Mathematica-Player
Dies zum Lesen und Verstehen

Escher-Metamophose
Eine Animation in Anlehnung an ein Bild von M. C. Escher: Ein Feld wird eine fliegende Gans

  Der niederländische Maler und Zeichner Mauritz C. Escher ist, gerade unter Menschen, die Mathematik mögen, sehr bekannt. In einem biografischen Film zu seinem 50. Todestag im Jahr 2022 haben die Autoren mehrere seiner gezeichneten Tiere in animierten Szenen aus den Bildern krabbeln oder fliegen lassen.
Davon angeregt haben wir die Metamorphose eines Feldes zu einer fliegenden Gans aus dem berühmten Bild "Tag und Nacht" (1938) mit B-Splines umgesetzt. In Abb. 5.24 kann man gut nachvollziehen, wie man mit B-Splines auch praktisch arbeiten kann.
Abschnitt
5.4.2.2
Seite 417
Auflage 1:
Seite 378

Abschnitt
5.4.2.2
Seite 4.17
Abb. 5.23 Metamorphose eines Feldes in eine Gans
a) Schmaler Ausschnitt aus dem Bild "Tag und Nacht".
b Drei Stellungen aus der Animation, bei der sich das Feld stetig in die fliegende Gans verwandelt. Dazu sind die Ecken des Polygonzuges durch Strecken mit ebenso vielen Punkten auf dem Rand des linken Feldes verbunden worden. Kopien der Polygonecken bekommen einen Parameter, durch den sie jeweils von Anfang bis Ende ihrer Strecke "rutschen".
Escher-Animation
Die ggb-Datei beruht auf der Datei zu Abb. 5.22, nun aber mit 23 Punkten statt 18. Sie finden auch die Herleitung und Möglichkeiten zu eigenen Kreationen.
Mit dem "Werkzeug Animation" können Sie in GeoGebra sehen, das auf diese Weise gespeichertes animiertes gif-Bild ist oben zu sehen.
Abschnitt
5.4.2.2
Seite 4.17
Abb. 524 Zusammenhang mit dem B-Spline
a) Gezeigt ist das Basiselement, das zu dem vordersten Schnabelpunkt I gehört. I ist der 9. Punkt, Zählung ab 0, also Basiselement ab 8, das dann die Koordinaten von I als Koeffizienten bekommt.
b) Gezeigt sind die 4 Funktionen, aus denen der Graph in a) zusammensetzt ist.
c) Die grüne Kurve zeigt, dass der x-Wert von I bei $t=10$ am größten ist, dort ist ja auch das Basiselement aus a) am höchsten. Die blaue Kurve zeigt die y-Werte, für Punkt K hat sie ein relatives Maximum. Unten ist lilafarben das Basiselement a) noch angezeigt.
d) Der Polygonzug ist der für Abb. 5.22 verwendete. Hier aber hätte man, besonders zwischen R und S, mit weiteren Punkten noch besser anpassen können.

5.4.3 Gestaltung mit NURBS Teil 1

5.4.3.1 Gebrochen rationale Bézier-Splines
Anregung 5.2
Abschnitt
5.4.3
Seite sss
Lösung der Anregungen
Anregung 5.2 (Rationale Parametrisierung des Einheitskreises EK)
Eine bekannte rationale Parametrisierung des Einheitskreises ist: \begin{eqnarray} \text{Einheitskreis:}\qquad \vec{K}(t) = \left(\frac{2t}{1+t^2},\frac{1-t^2}{1+t^2}\right),\ t\in (-\infty,\infty). \end{eqnarray}
Versuchen Sie, diese herzuleiten, indem sie den Kreis mit einer Geradenschar durch den Punkt \(N_1=(0,1)\) schneiden.
Klappt es auch mit \(N_2=(-1,0)\)?
Hinweis
Bei der in Abschnitt behandelten Trisektrix wird die eben genannte Technik zur Beschaffung einer Parameterdarstellung ebenfalls angewendet. Kreis als NURBS und seine Nachbarn

5.4.3.2 Exakte Kurven und ihre Metamorphosen
Anregung 5.3
Abschnitt
5.4.3.2
Seite 422
Lösung der Anregungen
  Anregung 5.3 (Erkundung des NURBS für den Einheitskreises EK)
Bauen Sie (z.B. mit GeoGebra) Abb. 5.25 nach und lassen Sie \(C\) wandern. Sie können die GeoGebra-Datei aus Abb. 5.25 verwenden.
Machen Sie sich klar, dass alle NURBS, die nicht die Stellung \(y(C)=0.5\) realisieren, mathematisch bis ins Unendliche reichen. Wenn Sie Enden sehen, sind das Artefakte.
Hinweis Variieren Sie weitere Steuerpunkte. Sie könnten sich auch von diesem Abschnitt 5.4.3.2 anregen lassen, Wege zu einem von Ihnen definierten Ziel zu erfinden.
Abschnitt
5.4.3.2
Seite 423
   Kreis als NURBS und Nachbar-NURBS Abb. 5.25 Kreis als NURBS, Variation der Ordinate von Steuerpunkt \(C\). Punkt \(C\) ist in \(0.1\)-Schritten auf der Geraden \(x=1\) im Intervall \([-0.5, 2]\) gewandert.
Die farbigen Kurven sind in GeoGebra mit dem Spurmodus entstanden.
Die große grüne Schlaufe links gehört zu \(y(C)=0.6\),
rechts die große blaue Schlaufe zu \(y(C)=0.4\).
Im Buch steht es leider falsch herum.
Für den exakten Kreis muss \(y(C)=0.5\) sein (rot).
Der Vorteil der Darstellung des Kreises als NURBS besteht darin, dass man die Steuerpunkte nachträglich variieren kann.

5.4.3.3 Trisektrix und ihre Verwandlung in einen Kreis
 Die Trisektrix von MacLaurin hat die implizite implizite Gleichung \((a+x)y^2=(3a-x)x^2\), ihr widmet sich Abschnitt 3.3.1 im Buch Haftendorn: Kurven. GeoGebra zeigt eine Schlaufe der Breite \(3a\) und einen Doppelpunkt im Ursprung.
Abschnitt
5.4.3.3
Seite 423
Abb. 5.26 Trisektrix Konstruktion und als NURBS
a) Trisektrix mit Parameterdarstellung.
\(\text{Trisektrix:}\quad x(t)=a \frac{3-t^2}{1+t^2}\;\mbox{ und }\; y(t)=a\,t \frac{3-t^2}{1+t^2}\)
b) Konstruktion: Auf dem Kreis um \(M=(2a,0)\) läuft \(Q\).
Die Mittelsenkrechte auf \(\overline{MQ}\) schneidet die Gerade \(OQ\)in \($P\).
Die Ortslinie von \(\) bezüglich \(Q\) ist die Trisektrix.
c) In Anregung 5.4 soll das Ziel für die Metamorphose der Trisektrix ihr grüner Konstruktionskreis sein.
Die Gerüstpunkte sind gelb, der jeweils erste Balken des Gerüstes ist in hellerer Farbe gezeichnet. Man erkennt so deutlich, dass das Gerüst umgewendet wird.
Abschnitt
5.4.3.3
Seite424


Durchlauf des blauen Kreises für t von 0 bis 1
Bild a) mathem. negativ, Uhrzeigersinn,
Bild b) mathem. positiv, entgegen dem Uhrzeigersinn,
Bild c) mathem. negativ, Uhrzeigersinn, aber unpassend zugeordnet.
Abb. 5.27 Metamorphose mit NURBS: Trisektrix \(\rightarrow\) Kreis
a) Damit die Gerüste von Trisektrix und Kreis gemeinsam beginnen und gleichsinnig durchlaufen werden, ist hier das Kreisgerüst gespiegelt. Dies entspricht einem Tausch von \(x\) und \(y\) bei der Parametrisierung des Kreises. Dann bläht sich die Trisektrix einfach auf, wandert aber zum gespiegelten Kreis.
b) Verwendet man das richtige ungespiegelte Gerüst des Kreises, dann wird eine Umwendung der Trisektrix auf dem Weg zum Kreis erzwungen. Der Kreis wird nämlich vom Nordpol aus von links oben nach rechts durchlaufen, die Trisektrix aber vom rechten Scheitelpunkt aus nach oben und dann links.
In c) sind mit dem Spurmodus neun NURBS dieser Metamorphose zu sehen, es ist spannend zu beobachten, wie die asymptoten-nahen Punkte immer mehr in den Kreis gezogen werden. Bei den Enden, die zu sehen sind, handelt es sich natürlich um Artefakte, mathematisch reichen sie bis ins Unendliche, auch noch bei "Wanderparameter" \(s=0.9\). Bei \(s=1\) hat der Kreis diese langen "Zipfel" plötzlich geschluckt. Die Kreislücke unten könnte man nur durch größere Werte von \(t\) enger machen. Dies zeigt, dass man den Kreis wohl nicht durch Herumprobieren gefunden hätte. Aber das Gerüst der Trisektix ist ja exakt auf des Gerüst des Kreises abgebildet worden.
Trisektrix-K-kreisZiel.ggb für 5.26 c)
d) zeigt das Gerüst des NURBS kurz vor der Umwendung, vgl. Abb. 5.26 c).


Metamorphose einer Trisektrix in einen Kreis mit Hilfe von rationalen Béziersplines
Zwei Parametrisierungen des Kreises werden hier verwirklicht und zwar genau nach dem eben beschriebenen Verfahren. Daher sind die beiden folgenden Mathematica-Realisierungen lediglich winzige Modifizierungen der oben genannten Datei.
Kreis-Buch-als-rat-Bezierspline.nb, Mathematica Quelltext
Dies zum Lesen und Verstehen
Kreis-mit-rat-Bezierspline.nb, Mathematica Quelltext
Dasselbe mit Mathematica-Player
Dies zum Lesen und Verstehen
Parameterdarstellung, Kreis aus dem Buch Seite 379
\(x(t)=\frac{2rt}{1+t^2}\).     \(y(t)=\frac{r(1-t^2)}{1+t^2}\).
Parameterdarstellung, Kreis anders herum durchlaufen
\(x(t)=\frac{r(1-t^2)}{1+t^2}\).     \(y(t)=\frac{2rt}{1+t^2}\).
Die beiden NURBS vom Kreis und die Trisektrix unterscheiden sich also nur durch die Stellung der Steuerpunkte. Darum verwirklicht die GeoGebra-Datei eine gleichzeitige lineare Bewegung von einem Steuerpunkt zum entsprechenden anderen, wie in den Bildern angedeutet. Wir erhalten bei a) und b) eine Metamorphose von der Trisektrix zum Kreis. Bei c) ist die Zuordnung wie bei b) aber der Kreis wie bei a). Damit gelingt die Verwandlung nicht.
a) echte-Trisektrix-Kreis.ggb \(A\rightarrow P_0,\;B\rightarrow P_1,\;C\rightarrow P_2,\;D\rightarrow P_3,\;\) die \(P_i\) gemäß dem Buch
b) echte-Trisektrix-anderer-Kreis.ggb
c) Trisektrix-Kr-Buch-o-Wenden.ggb
Trisektrix als rationaler Bézierspline
Die Grundidee ist es, eine Kurve dritten Grades mit rationalen Béziersplines darzustellen, denn wir wollen die Bernsteinpolyome \(b_i\) verwenden, die ja Grad 3 haben. Wir haben uns für die Trisektrix entschieden, von der wir aus dem Kurvenbuch Seite 64 die implizite Gleichung \((a+x)y^2=(3a-x)x^2\) kennen.
Nun benötigen wir eine rationale Parameterdarstellung.
Eine solche bekommt man, wenn man durch eine Singularität, also hier den Doppelpunkt im Ursprung, eine Gerade \(y=tx\) legt, sie mit der Kurve zum Schnitt bringt und t als Parameter wählt. Sofort folgt \((a+x)t^2=(3a-x)\) und damit
\(x(t)=\frac{a(3-t^2)}{1+t^2}\). Aus der Geradengleichung folgt dann \(y(t)=\frac{at(3-t^2)}{1+t^2}\).
Die rationale Basis, die wir verwenden wollen, ist nach Seite 379 unten \(R_i=\frac{w_i b_i}{\Sigma_{j=0}^3{w_j b_j}}\), für \(i=0\dots3\).
In der Linearkombination der \(R_i\) mit den Steuerpunktkoordinaten als Koeffizienten gilt der gemeinsame Nenner \(\Sigma_{j=0}^3{w_j b_j}=1+t^2\) ohne Einfluss der Steuerpunkte. Durch Koeffizientenvergleich der Potenzen von \(t\) bestimmen wir \(w_0=1,\;w_1=1,\;w_2=\frac{4}{3},\;w_3=2\). Beim Kreis (s.o.) ist es (zufällig) derselbe Nenner.
Mit diesen Gewichten im Zähler ergibt sich, wie im Buch Seite 380, die rationale Basis:
\(R_0(t)=\frac{(1-t)^3}{t^2+1},\;R_1(t)=\frac{3 (1-t)^2 t}{t^2+1},\;R_2(t)=\frac{4 (1-t) t^2}{t^2+1},\;R_3(t)=\frac{2 t^3}{t^2+1}\).
Die Steuerpunkte müssen nun so gewählt werden, dass der Gesamtzähler der Linearkomination \(A\,R_0+B\,R_1+C\,R_2+D\,R_3\) für \(x(t)\) und \(y(t)\) der Zähler der Parameterdarstellung der Trisektrix ist:
\( a(3-t^2)=A_x(1-t)^3+B_x 3 (1-t)^2 t+C_x4 (1-t) t^2+D_x 2 t^3\)
\( at(3-t^2)=A_y(1-t)^3+B_y 3 (1-t)^2 t+C_y4 (1-t) t^2+D_y 2 t^3\)
Durch Koeffizientenvergleich erhält man aus einem Gleichungssystem
\(A=(3 a,0),\,B=(3 a,a),\,C=\left(2 a,\frac{3 a}{2}\right),\,D=(a,a)\) als Steuerpunkte einer Trisektix mit dem Doppelpunkt im Ursprung und der Schlaufenbreite 3\(a\).
Trisektrix-rat-Bezierspline.cdf,im Mathematica Player, Info zum Player
Trisektrix-rat-Bezierspline.nb, Mathematica Quelltext    
Dies zum Lesen und Verstehen
Anregung 5.4
Abschnitt
5.4.3.3
Seite 423
Lösung der Anregungen
  Anregung 5.4 (Metamorphose der Trisektrix in ihren Konstruktionskreis)
Die Parameterdarstellung (\(x(t),y(t))\) als NURBS von Gleichung 5.7 (Seite 422 des Buches) für den Einheitskreis kann leicht auf andere Kreise übertragen werden. Einen Kreis \((\bar x(t),\bar y(t))\) mit Radius \(r\) und dem Mittelpunkt \((a,b)\) parametrisiert man nun durch \(\bar{x}(t):=r\, x(t)+a\) und \(\bar{y}(t):=r\, y(t)+b\). Für das Gerüst nimmt man einfach die \(r\)-fache Größe und "heftet" es an einen Kreispunkt an.
Aufgabe: Lassen Sie die Trisektrix zu ihrem Konstruktionskreis wandern.
Es kann Ihnen jetzt bewusst werden, dass fast die ganze Arbeit schon erledigt ist. Ziel ist nun der Kreis in Abb. 5.26 b) und c), sein Radius ist \(r=2\) und sein Mittelpunkt \((2,0)\). Das oben berechnete Gerüst des Kreisesübertragen Sie geometrisch auf den verschobenen und vergrößerten Kreis. Darum brauchen Sie die Kreisgleichung gar nicht.
Definieren Sie einen Schieberegler \(s \in [0,1]\) und konstruieren Sie mit dem hier folgenden Hinweis die Punkte \(A',\;B',\;C',\;D'\) auf den Wegen zum Kreisgerüst. Diese setzen Sie als Namen mit \(x(A'),\;\dots \) bzw. \(y(A'),\;\dots \) in Gleichung auf Seite 421 ein. Fertig ist Ihre erste NURBS-Wanderung.
Hinweis
Wenn ein Punkt \(A\) als \(A'\) gesteuert von einem Parameter \(s\) zum Punkt \(E\) wandern soll, definieren Sie in GeoGebra \(ae=vektor(A,E)\; \;tt ae=Vektor(A,E') \). Es ist dann \(tt A'=A+s \;ae\) der gesuchte wandernde Punkt. Anmerkung: In GeoGebra kann man Punkte und Vektoren addieren, man braucht dabei keine "Ortsvektoren" zu definieren.

5.4.3.4 Versiera Konstruktion und ihre Verwandlung in einen Kreis
Im Buch Haftendorn: Kurven finden Sie Interessantes zur Versiera von Maria Agnesi (1718-1799). Die einfache Konstruktion ist in Abb. 5.28 im gezeigt: Auf der Nordpol-Tangente des Kreises um \((0,a)\) mit Radius \(a\) wandert ein Punkt \(E\). Die Gerade \(E\) schneidet den Kreis in \(E'\). Dann bekommt \(P\) die Abszisse von \(E\) und die Ordinate von \(E'\). Die Ortskurve von \(P\) ist die Versiera.
Abschnitt
5.4.3.4
Seite 425
Abb. 5.28 NURBS der Versiera der Maria Agnesi.
Die Konstruktion wird oben erklärt, die implizite Gleichung und ihre Parametrisierung wird hergeleitet. Ihr Gerüst wird berechnet und mit frei erfundenem Weg wird die Metamorphose zu ihrem Konstruktionskreis realisiert.
versiera-kreis
versiera-NURBS
Versiera-rat-Bezierspline.nb

5.4.3.5 NURBS für die Bernoulli'sche Lemniskate, eine Kurve 4. Grades
Seite 426 Bernoulli'sche Lemniskate \[ \text{Bernoulli'sche Lemniskate:}\qquad (x^2+y^2)^2=a^2(x^2-y^2) \] Im Buch Haftendorn Kurvenbuch finden wir in Gleichung 4.29 eine rationale Parametrisierung für die \[ \text{Bernoulli'sche Lemniskate:} \qquad x(t)=a\frac{1-t^4}{1+6t^2+t^4}, \quad y(t)=a\frac{2 t (1-t^2)}{1+6t^2+t^4}. \] Visualisierung der Parameterdarstellung der Lemniskate In der GeoGebra-Datei sind links in Grün die Funktionen \(x(t)\) und in Blau \(y(t)\) dargestellt. Punkt \(S\) repräsentiert den Parameter \(t\), hier \(s\) genannt. Von \(P_x=(t,x(t))\) wird die Ordinate an der Geraden \(y=x\) gespiegelt, um dann als Abszisse von \(P\) verwendet zu werden. \(P_y=(t,y(t))\) überträgt man waagerecht bis zur Geraden \(y=x(t)\). So entsteht \(P=(x(t),y(t))\), die Ortslinie von \(P\) ist die
Bernoullische Lemniskate   Lemniskate
Der NURBS für Kurven 4. Grades mit dem Nenner \(1+6t^2+t^4\) ist: \( \left(\begin{matrix} x(t)\\y(t)\end{matrix}\right)=\frac{1}{1+6t^2+t^4}\cdot\\ \Big( A\cdot (1-t)^4 +B\cdot 4(1-t)^3 t + C\cdot 12(1-t)^2 t^2+D\cdot 16(1-t) t^3+E\cdot 8 t^4 \Big) \)
Die Lemniskate erhalten wir nur dann, wenn wir ihr Gerüst berechnen. Dafür muss die große Klammer mit den Abszissen der Punkte \((1-t^4)\) und mit den Ordinaten \(2t -2 t^3\) ergeben. Ein passendes Gleichungssystem haben wir oben mehrfach durch Koeffizientenvergleich gelöst. Tun wir das hier ebenso, so ergibt sich das folgende Ger üst der
\(\text{Lemniskate: }\quad A=(4,0),\;B=(4,2),\;C=(2,2),\;D=(1,1),\;E=(0,0)\).
Abschnitt
5.4.3.5
Seite 472
Abb. 5.28 Lemniskate und Giraffe mit NURBS
Die Giraffe saugt die Lemniskate an sich und hat sie dann als Mantel an.
Die Lemniskate für \(a=4\) hat das Gerüst
\(A=(4,0),\;B=(4,2),\;C=(2,2),\;D=(1,1), \;E=(0,0)\),
zu sehen als blaue offene Kreise, wobei \(A\) der rechte Scheitelpunkt ist und \(E\) der Doppelpunkt.
Diese Punkte sind gedoppelt worden (violette Kreuze) und deren Linearkombination ist der NURBS.

Diese Kreuze sind ganz frei umhergezogen worden, bis die entstandene Form gut aussah. Dann konnten die pinkfarbenen Vektoren definiert werden und ihr \(s\)-Faches \(A',\;B',\;C',\;D',\;E'\) als Wanderpunkte einen weiteren NURBS definieren.
Der Parameter \(s\) lief für die grünen Kurven von \(s=0\) bis \(s=1 \). Der Mantel ist für \(s=1\) zu haben.


Wie man den NURBS wandern lässt, ist oben erklärt. Sie können die "Wanderwege" (in Pink) deutlich sehen.

Lemniskate+Giraffe.ggb

5.4.4 NURBS, Teil 2, mit nicht uniformen Basen
 Gebrochen rationale B-Spline-Basen:
Ebenso wie in NURBS Teil 1 für rationale Basen mit Bézier-Splines führen wir auch hier rationale Basen mit den allgemeineren nicht-uniformen B-Splines ein: \[ R_{i,p}(t)=\frac{w_i\cdot B_{i,p}(t)}{\sum_{j=0}^n\cdot w_j B_{j,p}(t)} \text { mit } i \in \{0,\dots, 4\}. \]
Abschnitt
5.4.4
Seite 428
Auflage 1:
5.4.3.1
Seite 379


Abb. 5.30 Nicht-uniforme NURBS.
a) Basiskurven vom Grad 3, je fünf benachbarte Knoten aus der Liste \(T\) gehören zu einer Basis-Funktion 3. Grades für B-Splines.
b) Bei einem rotgestrichelten Viertelkreis mit Gerüst, siehe Abb. 5.25, wird hier unter Beibehaltung des Gerüstes das Gewicht eines Punktes variiert. Im Text wird die ganz unterschiedliche Wirkung betrachtet.
c) Sieben Basiskurven nicht-uniformer, rationaler B-Splines zweiten Grades
d) Ein geschlossener NURBS daraus daraus mit 7 Steuerpunkten und nicht uniformen, rationalen B-Splines zweiten Grades, der aus vier Ellipsenstücken besteht. Die Funktionen sind in der Mathematica-Datie und in GeoGebra einsehbar und das Gerüst ist in GeoGebra frei ziehbar.
a) und b) NURBS1 zum Viertelkreis in vielfätiger Datei, Splines-und-NURBS.nb Mathematica Quelltext    Dies zum Lesen und Verstehen     
c) und d) NURBS2.ggb

5.4.4.1 Beispiel eines geschlossenen NURBS
Das Schließen eines NURBS wie in Abb. 5.30 d) erfordert die Wiederholung des ersten Steuerpunktes als letzten Punkt, hier ist \(P_6=P_0\). Die nicht-uniforme rationale Basis ist auf der Grundlage von B-Splinepolynomen 2. Grades erstellt worden und in Abb. 5.30 c) zu sehen. Zusätzlich zu dem bisher Gesagten wird ein weiterer Trick benutzt, nämlich die Wiederholung von Einträgen in der Knotenliste. In der Rekursion entstehen dadurch manchmal Intervalle der Breite 0, die - und das funktioniert wirklich - einfach nicht berücksichtigt werden. Daraus entstehen zwei Effekte, nämlich eine engere Anlehnung der Kurve an das Gerüstpolygon, in Abb. 5.30 d) deutlich zu sehen, und eine Verringerung der Differenzierbarkeit an zugehörigen Steuerungspunkten. Die Knotenliste lautet hier
\(T=\{0,0,0,\frac{1}{4},\frac{1}{2},\frac{1}{2},\frac{3}{4},1,1,1\}\).
Die Verdreifachung der 0 und der 1 führt dazu, dass \(P_0\) und \(P_6\) genau getroffen werden. Die mittlere Basisfunktion in Abb.5.30 c) z.B. ist wegen der doppelten \(\frac{1}{2}\) nicht mehr differenzierbar, erkennbar an der Spitze in Bildmitte. Die resultierende Kurve ist aber trotzdem wegen geschickt gewählter Gewichte zweimal stetig differenzierbar.

Die sieben Steuerpunkte und die zugehörigen Basisfunktionen in Abb. 5.30 haben in c) und d) dieselbe Farbe. Sie lassen sich auf der obigen GeoGebra-Datei zum Buch ganz frei ziehen. Der abgebildete NURBS besteht aus vier Ellipsenbögen, die von einem Berührpunkt zum nächsten reichen. In GeoGebra kann man sich das durch das Werkzeug "Kegelschnitt aus 5 Punkten" anzeigen lassen, hier z.B. \( (A,B,C,D,P_3)\). Wenn das Gerüst ein Parallelogramm ist, erreicht man eine exakte vollständige Ellipse, bei einem Gerüst-Quadrat erhält man einen perfekten Kreis.

5.4.4.2 Doppelte Knoten in der Knotenliste
Abschnitt
5.4.4.2
Seite 428
Auflage 1:
5.4.3.2
Seite 430


a)
NURBSKnotenDoppelt28.jpg
a)Zusatz
NURBSKnotenDoppelt28.jpg
b)
NURBSKnotenDoppelt28.jpg
NurbsKnotendoppelt.ggb
Abb. 5.31 Doppelte Knoten in der Knotenliste
a) Zu der Knotenliste \( (0,1,a,3,4)\) werden hier die Basisfunktionen \( B_{02},\, B_{12} \) und \( B_{03} \) mit \( a=2.8 \) gezeigt, und dazu die Basisfunktionen \( \bar B_{02},\ \bar B_{12} \) und \( \bar B_{03} \) zur Knotenliste \( (0,1,3,3,4) \), letztere gestrichelt. Diese wurden unter Weglassen des Intervalls \( [3,3] \) mit Länge 0 berechnet.


b) Hier werden die Basisfunktionen \( B_{11} \) und \( \bar B_{11} \) gezeigt, dazu deren Differenz \( \Delta B_{11} \). Ersichtlich geht diese für \( a\to3 \) im Intervall \([1,a]\) gegen null. Das Intervall \( [a,3]\) - in dem wir \( \Delta B_{11} \) nicht ganz vollständig gezeichnet haben - schrumpft auf die Breite null. Daher liegt punktweise Konvergenz für \(B_{11} \to \bar B_{11}\) vor.


Doppelte Knoten in NURBS, Erläuterungen
Im Buch steht auf Seite 380 zu den geschlossenen NURBS, dass als nötiger Trick Elemente in der Knotenliste verdoppelt werden, und dass man die dadurch in der Rekursion entstehenden Intervalle der Länge 0 einfach weglassen soll. Als Erklärung wird nur geboten, dass das "tatsächlich funktioniert".
Wir wollen hier aber begründen, dass dieses Weglassen der richtige Weg ist.

NurbsKnotendoppelt.ggb
In dieser GeoGebra-Datei werden zur Knotenliste {0,1,2,3,4} die Basispolynome \(B_{00},\ B_{10},\ B_{20},\ B_{30},\ B_{01},\ B_{11},\ B_{21},\ B_{02},\ B_{12}\) und \(B_{03}\) eines NURBS berechnet. Sie können in der GeoGebra-Datei links im Algebrafenster die Funktionen auswählen, die sie sehen wollen. Dort können Sie auch rekursiven Definitionen verfolgen und die Funktionsterme sowie die Graphen ansehen. Links sind durchgezogen\( B_{02},\ B_{03}\) und \(B_{12}\) zu sehen, die gestrichelten Graphen werden im Folgenden erklärt.


Der Knoten 2 ist über einen Schieberegler \(a\) veränderbar, er kann im Bereich 2 bis 3 verschoben werden. Das heißt, dass Sie den Knoten 3 verdoppeln können. Dabei können Sie sich anschauen, wie sich der Verlauf der Funktionen ändert. Bei \(B_{11}\) werden Sie den Bruch \(\frac{3-x}{3-a}\) als Teilterm entdecken. Dieser ist für \(a=3\), also den verdoppelten Knoten, nicht definiert. Ziehen Sie \(a\) auf 3, wird \(B_{11}\) nicht mehr angezeigt, und alle vom Intervall [a,3] abhängigen Funktionen auch nicht. Deshalb gibt es die Funktionsversionen \(B_{10x},\ B_{01x},\ B_{11x},\ B_{21x},\ B_{02x},\ B_{03x}\) und \(B_{12x}\) (alle gestrichelt), die undefinierte Teilterme weglassen und \(a=3\) setzen. \(B_{20}\) wird nicht mehr gebraucht. Im ersten Bild links oben sind \(B_{02},\ B_{03},\ B_{12},\ B_{02x},\ B_{03x}\) und \(B_{12x}\) gezeigt für \(a=2.8\), im Bild links Mitte nur \(B_{02x},\ B_{03x}\) und \(B_{12x}\) für \(a=3\). Sie können sehen, wie sich die durchgezogenen Funktionen an die gestrichelten annähern, wenn \(a\to3\) geht.



Wir wollen zum Verstehen durch Anschauen aber auch noch einen rechnerischen Beweis liefern, und zwar für \(B_{11}\), welche Funktion ja sozusagen der "Anfang allen Übels" ist. Dazu können Sie sich auch die Funktion \(\Delta B_{11} = B_{11} - B_{11x}\) anzeigen lassen, wie es im unteren Bild für \(a=2.8\) geschehen ist. Es ist \[ \Delta B_{11} = \left(\frac{x-1}{a-1} - \frac{x-1}{3-1}\right)B_{10} + \left(\frac{3-x}{3-a} - \frac{x-1}{3-1}\right)B_{20}= \] \[ = (3-a)\frac{x-1}{(a-1)(3-1)}B_{10} + \text{ irgendwas }\cdot B_{20}. \] Der linke Summand geht gegen 0, wenn \(a\to3\) geht, der rechte ist nur auf dem Intervall [a,3] von null verschieden. Daraus folgt, dass \(\Delta B_{11}\to0\) punktweise geht für \(a\to3\), oder anders gesagt \(B_{11}\stackrel{a\to3}\longrightarrow B_{11x}\) punktweise.
Eine analoge Rechnung gelingt in allen anderen Fällen ebenso. Schauen Sie sich auch an, wie die Grenzfunktionen für \(a=3\) im doppelten Knoten einmal weniger differenzierbar sind als ohne doppelten Knoten (0-mal differenzierbar heißt dabei einfach "stetig") und überlegen Sie, dass das daran liegt, dass die Gewichtsfunktionen am Intervallrand am doppelten Knoten keine Nullstelle mehr haben: der dazu nötige Term wird gerade weggelassen!


5.4.4.3 NURBS-3D in der Praxis
 Wir haben hier nur Grundlegendes mit wenigen Steuerpunkten gezeigt. Aber auch dafür brauchte man schon ein kräftiges CAS, vor allem um die Rekursionen und die mehrfach indizierten Terme zu handhaben. Im letztgenannten Beispiel haben wir die Ergebnisse aus Mathematica nach GeoGebra übertragen. So aber konnten Sie die Grundgedanken verstehen. Wenn Sie Genaueres wissen wollen, suchen Sie im Internet nach neuen Veröffentlichungen, denn das Thema befindet sich in schneller Entwicklung. "The NURBS Book" von Piegl ist ein älteres, aber ausführliches Grundlagenbuch dazu. Wir zeigen Ihnen dieses Bild, weil in Animationsfilmen ja auch dreidimensionale Objekte dargestellt werden müssen.
Abschnitt
5.4.4.3
Seite 431
Auflage 1:
5.4.3.4
Seite 381


Abb. 5.32 Torus als NURBS. In der Praxis gibt es ausgereifte Software für NURBS, die dem Anwender die Mühen abnimmt. Das gilt insbesondere für den Einsatz im 3D-Bereich. Im Gegensatz zu einfacheren Konzepten für Splines können NURBS sowohl Freiformen als auch Standardformen wie Zylinder, Kegel, Ringe, Kugel u.s.w. gestalten.

NURBS-Torus.nb, Mathematica Quelltext
Dies zum Lesen und Verstehen


5.5 Numerische Integration

5.5.1 Kepler'sche-Regel
Abschnitt
5.5.1.1
Seite 433
Auflage 1:
Seite 383


Abb. 5.33 Beweise der Kepler'schen Regel:
a) beweist mit der linken Parabel eine Sondersituation, die dann rechts daneben verwendet wird.
b) zeigt den historischen, geometrischen Weg von Archimedes und Kepler. Ein Parabelsegment (grün) nimmt immer \(\frac{2}{3}\) des umbeschriebenen (blau gestreiften) Parallelogramms ein.

kepler-beweise.ggb
Abschnitt
5.5.1.1
Seite 434
Auflage 1:
Seite 384


Abb. 5.34 Allgemeine Aussage über Parabelsegmente, bewiesen mit Integralrechnung und Scherung. Näheres dazu im Text.


parabelsegment.ggb
Abschnitt
5.5.1.2
Seite 435
Auflage 1:
Seite 385


Abb. 5.35 Kepler'sche Regel für eine Parabel und ein Polynom $p_3$. a) Die beiden Integralflächen haben zwar nicht dieselbe Form, aber dieselbe Fläche. b) Der Grund ist, dass das Integral über ihre Differenzfunktion null ist. c) Kleines Lehrstück zur Bestimmung der Interpolationspolynome mit in GeoGebra definierten Matrizen (siehe Text und den folgenden Zusatz).


kepler1.ggb
kepler2.ggb

5.5.2 Simpson-Regel
Abschnitt
5.5.2
Seite 436
Auflage 1:
Seite 386


Abb. 5.36 Simpson'sche Regel an Beispielen.
a) zeigt die Simpson-Regel mit 4 Streifen der Breite \(h=0.25\) für die Funktion \(\sin(\pi x^2)\).
In b) wird die Viertelkreisfläche mit ebenfalls 4 Streifen der Breite 1 angenähert, aber mit bescheidenem Erfolg.
Genaueres im folgenden Zusatz
c) zeigt eine Näherung für die wichtige Gauß'sche Glockenkurve mit 8 Streifen, der Fehler liegt unter 3 Millionstel.
Weiteres zu den gezeigten Näherungen steht im Abschnitt 5.5.2.2 nach der Simpson-Formel in Satz 5.5 und der Fehlerbetrachtung 5.5.2.1.
Zusatz
zum
Teil b)
simpson-a.ggb Sinus      simpson-b.ggb Viertelkreis     simpson-c.ggb Glockenkurve
Die Breite zweier benachbarter Balken sollte so gewählt werden, dass man das zugehörige Kurvenstück annähernd als Parabel (oder Poymom 3. Grades) auffassen kann.

Bei dem Viertelkreis in b) sind die zugehörigen Parabeln eingezeichnet. Es ist daher klar, dass der linke Doppelbalken einen deutlichen Fehler erzeugt.
In der rechten Bildhälfte ist GeoGebra-CAS zu sehen. Es werden damit die Parabeln berechnet, die die Grundlage der Rechnung sind.
Achten Sie in simpson-b.ggb Viertelkreis auf das CAS-Fenster. Man macht es bei Ansicht mit Strg+Umschalt+K (zweimal diesen Hotkey klicken) auf.

5.5.3 Weitere Verfahren der numerischen Integration

5.5.3.1 einfache Methoden
Abschnitt
5.5.3.1
Seite 440
Auflage 1:
Seite 392


Abb. 5.37 Fehler einfacher Quadraturformeln. Es ist in jedem Bild die approximierte Integralfläche im Vergleich mit der wirklichen Integralfläche zu sehen. Die Fehlerflächen sind nach links zusammengeschoben und liegen auf einem Streifen der Breite \(h\) bzw. bei d) \(\frac{h}{2}\). Einzelheiten stehen im Text. In der GeoGebra-Datei können Sie mit \(n\) die Anzahl der Streifen verändern und das Fehlerverhalten verstehen.


FehlerObersumme.ggb FehlerUntersumme.ggb
FehlerTrapezsumme.ggb FehlerMittenregel.ggb

5.5.3.2 Mittenregel
Abschnitt
5.5.3.2
Seite 441
Auflage 1:
Seite 392


Abb. 5.38 Abschätzung des Fehlers bei der Mittenregel. In der linken Hälfte überschätzt die Mittenregel das Integral um die grüne Fläche, in der rechten unterschätzt sie ebenfalls um die grüne Fläche. Durch Punktspiegelung dieser an der Mitte kann man links die Differenzfläche (rot schraffiert) als Gesamtfehler erkennen. Sie hat jeweils Ordinatenstücke der Länge \(d_1-d_2\), (gelb). Diese roten Differenzflächen sind in Abb. 5.37 d) bei der Mittenregel abgebildet.


RechnungMittenregel.ggb

5.5.3.3 Newton-Cotes-Formel, Drei-Achtel-Regel
Abschnitt
5.5.3.3
Seite 442
Newton-Cotes-Formel, Drei-Achtel-Regel \[ \int_a^b f(x)\,d x \approx \frac{3h}{8}\bigl(f(a) + 3f(a+h) + 3f(a+2h) + f(b)\bigr). \] Eine Funkton \(f\) ist im Intervall näherungsweie zu integrieren. Erleichterungen für solche Aufgaben sind heute weniger wichtig, da die Computer dergleichen schnell erledigen können. Dennoch ist es lehrreich, mit wie wenigen Stützstellen man schon zu recht guten oder sogar exakten Antworten kommt.
Letzteres gilt vor allem für Polynome, die Drei-Achtel-Regel integriert Polynome bis zum 3. Grad exakt.
Abschnitt
5.5.3.3
Seite 442
Auflage 1:
Seite 393


Drei-Achtel-Regel Das Intervall \( [a,b]\) wird in 8 gleiche Teile geteilt, diese werden zu 1 Achtel, 3 Achtel, 3 Achtel und nochmal 1 Achtel gruppiert. Es entstehen vier Rechtecke, die ihre Ordinaten von \(f\) am Intervallrand und an den zwei inneren Drittelstellen \(C\) und \(D\) bekommen. So ist es im Bild gezeigt. Das Intervall ist also in drei Streifen der Breite \(h=\frac{b-a}{3}\) geteilt. Rechtecke, die unter der x-Achse liegen, müssen negativ gerechnet werden. Hier sind sie daher durch Integrale bestimmt worden. Durch die vier Stützpunkte \({E,\,C,\,D, F}\) ist hier mit dem GeoGebra-Befehl: Polynom[Punkteliste] das Interpolationspolynom gelegt.

Man kann \(A \text{ und } B \) auf der x-Achse und die anderen grünen Punkte auf ihren roten Stangen beliebig ziehen.
Newton-C.-3AchtelRegelExakt.ggb
Newton-C.-3AchtelRegelExakt2.ggb

Abschnitt
5.5.3.3
Seite 442
Drei-Achtel-Regel allgemein: nur eine Näherung

Hier ist unten rechts (als blaue Raute) noch ein fünfter Punkt für die Liste, die das Interpolationspolynom erzeugt, eingefügt. Ersichtlich ist damit ein Polynom 4. Grades entstanden und die Drei-Achtel-Regel gibt nicht mehr das Integral an.
Newton-C.-3AchtelRegel-allg.ggb

Anmerkung: Es kann nicht passieren, dass die roten Stangen der Stüzpunkte auf die Ecken der inneren Rechtecke fallen, da 8 und 3 teilerfremd sind.
Anderenfalls könnte es zu Uneindeutigkeiten kommen.


5.5.3.4 Gauß-Quadratur
Abschnitt
5.5.3.4
Seite 444
Auflage 1:
Seite 395


Abb. 5.39 Die erste Gauß'sche Quadraturformel integriert Polynome bis zum Grad 3 exakt: von links nach rechts sind die Funktionen \(f(x)=1,\ x,\ x^2,\ x^3\) gezeigt. In blau sieht man jedes Mal die Ordinaten an den Stützstellen \(\pm\frac{1}{\sqrt3}\), diese Werte sind aber nur ganz links eingetragen. Außerdem ist für \(x^2\) das (blau schraffierte) Rechteck gezeigt, das die Fläche nach der Gauß'schen Quadraturformel darstellt.


GaussQuadratur.ggb

5.5.4 Numerische Raum-Integration
Abschnitt
5.5.4.1
Seite 446
Auflage 1:
Seite 396


Abb. 5.40 Raumintegral numerisch über ein Rechteck. \(\int_{[a,b]\times[c,d]} f(x,y)\, {\rm d} x\,{\rm d} y\) für \(f(x,y)=(x-2)^2+\frac{1}{2}(y-3)^2-7\). Bezüglich \(x\) wird die Drei-Achtel-Regel, bzgl. \(y\) die Kepler'sche Regel verwendet. Die Gewichte für die Punkte im Rechteck ergeben sich als die Produkte der Gewichte für die einzelnen Variablen. Z.B. ist das Gewicht zu \((x_1,y_1)\) gegeben als \(\frac{3}{8}\cdot\frac{4}{6} = \frac{1}{4}\). Gleiche Gewichte haben gleiche Farben. Die Realisierung und die Rechnungen in diesem Fall, erstellt mit GeoGebra, finden Sie im folgenden Zusatz.


RaumintegralRechteck.ggb
Zusatz
Abschnitt 5.5.4.1
Seite 446
Auflage 1:
Seite 396

Der wahre Wert des Integrals errechnet sich zu \[ \int_1^3\int_1^4 f(x,y)\,{\rm d} x\,{\rm d} y = -32. \] Für die numerische Integration brauchen wir zunächst eine Wertetabelle: \[ \begin{array}{r|c|c|c|c|} f(x,y) & x=1 & 2 & 3 & 4 \\ \hline y=1 & -4.0 & -5.0 & -4.0 & -1.0 \\ \hline 2 & -5.5 & -6.5 & -5.5 & -2.5 \\ \hline 3 & -6.0 & -7.0 & -6.0 & -3.0 \\ \hline \end{array} \] Damit erhält man für die Näherung \[ \int_1^3\int_1^4 f(x,y)\,{\rm d} x\,{\rm d} y \approx (4-1)\cdot(3-1)\cdot \begin{pmatrix} -4.0 \cdot\frac{1}{48} -5.0 \cdot\frac{1}{16} -4.0 \cdot\frac{1}{16} -1.0\cdot\frac{1}{48} \\ -5.5 \cdot\frac{1}{12} -6.5 \cdot\frac{1}{4}\ -5.5 \cdot\frac{1}{4}\ -2.5\cdot\frac{1}{12} \\ -6.0 \cdot\frac{1}{48} -7.0 \cdot\frac{1}{16} -6.0 \cdot\frac{1}{16} -3.0\cdot\frac{1}{48} \\ \end{pmatrix} = -32 \] die natürlich exakt ist, weil der Polynomgrad kleiner als 3 ist.
Abschnitt
5.5.4.2
Seite 447
Auflage 1:
Seite 397


Abb. 5.41 Raumintegral numerisch über ein achsenparalleles Dreieck. a) Stützpunkt ist der Dreiecksschwerpunkt, d.h. der Schnitt der Seitenhalbierenden. b) Die Stützpunkte liegen auf den Seitenmitten. c) Der blaue Stützpunkt ist der Schwerpunkt. Die grünen Punkte sind drei Punkte eines Rechtecks mit linker unterer Ecke \(\frac{9-2\sqrt{15}}{21}(h,k)\) und rechter oberer Ecke \(\frac{6+\sqrt{15}}{21}(h,k)\), die roten Punkte sind drei Punkte eines Rechtecks mit linker unterer Ecke \(\frac{6-\sqrt{15}}{21}(h,k)\) und rechter oberer Ecke \(\frac{9+2\sqrt{15}}{21}(h,k)\); beide Male gehört eine Rechteckecke nicht zu den Stützstellen. Die zugehörigen Gewichte sind eingetragen.


RaumintegralDreieck.ggb
Abschnitt
5.5.4.2
Seite 448
Auflage 1:
Seite 398


Abb. 5.42 Beispiel für ein Raumintegral. Das Integral \(\int_{-1}^1\int_{-1}^1 \frac{1}{2\pi}{\rm e}^{-\frac{1}{2}(x^2+y^2)}\,{\rm d} x\,{\rm d} y\) wird auf vier Weisen numerisch berechnet. Der richtige Wert ist \(0.466065\), als Näherungen ergeben sich
a) \(0.569672\), b) \(0.485574\),
c) \(0.469626\), d) \(0.466559\).
Hier sieht man beim Vergleich von b) und c), dass mit weniger Punkten und verbesserter Fehlerordnung eine höhere Genauigkeit erzielt wird.


RaumintegralBsp.ggb


5.6 DGLn numerisch lösen
 In den Abb. 5.35 bis 5.44 sind alle als "Lösung" bezeichneten Kurven mit GeoGebra numerisch erzeugt, und zwar mit dem Runge-Kutta-Verfahren.
Abschnitt 5.6.5 zeigt den Aufwand für die exakten Lösungen in Abb. 5.45.
In den folgenden Dateien ist das Richtungsfeld ein Bild. Das in GeoGebra verfügbare Richtungsfeld besteht nur aus Strichlein.
Aber bei Abb. 5.44 (und folgende) haben wie ein für alle DGLn 1. Ordnung nutzbares schönes Richtungsfeld in GeoGebra verwirklicht.
Abschnitt
5.6
Seite 448
Auflage 1:
Seite 399


Abb. 5.43 Untersuchungen zum Richtungsfeld von \(y'=y^2-x=f(x,y)\).
a) Richtungsfeld mit zwei auffälligen Kurven. b) Richtungsfeld mit Isoklinen für \(m=\) \(2,\,0,\,-2,\,-4,\,-6\). Berechnung der Isoklinen bei Abb. 4.6
c) Mit dem Spurmodus von GeoGebra eingezeichnete Scharen von Lösungskurven, die Sie hier selbst erkunden können. In der ggb-Datei sind einige davon als Folge von Lösungskruven fest realisiert.
Hervorzuheben ist die schwarze Lösung, die die blauen und grünen Lösungen voneinander trennt. Diese ist in Abschnit 5.6.5 exakt berechnet und in Abb. 5.53 violett dargestellt.
a) y2minusx-Richtungsfeld+eine+Loesung.ggb
b) y2minusx-isoklinen.ggb
c) y2minusx-isoklinen+Loesung.ggb
Abschnitt
5.6
Seite 449
Auflage 1:
Seite 400


Abb. 5.44 Richtungsfeld von \(y'=y^2-x=f(x,y)\). a) Nullisokline, sowie farblich hervorgehobene Richtungsvektoren aus anderen Isoklinen, b) die grünen und die blauen Lösungskurven, werden exakt von der Grenzlinie getrennt, die in Abb. 5.54 violett eingetragen ist. In deren Nähe werden die Lösungen (von links nach rechts gesehen) gestreut.
Die blauen Lösungskurven haben alle einen Scheitel auf der Nullisokline, von dort an ist ihre Farbe hellblau und sie haben diese Nullisokline auch als als Asymptote. Deren Nähe werden die die hellblauen Lösungen gesammelt.
a) siehe oben
b) y2minusx-isoklinen+Loesung.ggb

5.6.1 Eulerverfahren
Wichtiger Hinweis für die *.ggb. Dateien von Abbildungen 5.45 bis 5.51:
Beim Ändern der Schrittweite h werden oft falsche Graphen angezeigt. Mit Strg r muss man eine Neuberechnung erzwingen .
Abschnitt
5.6.1
Seite 451
Auflage 1:
Seite 401


Abb. 5.45 Eulerverfahren für \(y'=y^2-x\).
Schrittweite ist \(h=0.5\), Anfangswerte sind \(y(0) = 0.7\), also ist \(A=P_0=(0,\,0.7)\). Es folgen \(P_1=(0.5,\,0.945), P_2=(1.0,\,1.142)\dots\)
Ab etwa \(x=4\) ist die blaue Lösungskurve recht dicht an der (rot gepunkteten) Nullisokline. Wenn ein Eulerschritt diese nach unten überschreitet, wird der nächste Schritt nach oben gehen. Im Bild wechseln nun positive und negative Steigungen. Man beachte aber, dass die blaue Lösung rechts niemals wieder Steigung null haben wird, sie liegt stets über der Nullisokline. Das Eulervefahren "entgleist" hier.
y2minusx-Euler.ggb
Kleiner Trick: Es wird mit dem Schieberegler eigentlich \(n\) gesteuert und daraus dann \(h=2^{-n}\) bestimmt.
Abschnitt
5.6.1
Seite 452
Auflage 1:
Seite 402


Abb. 5.46 Eulerverfahren für \(y'=y^2-x\). Schrittweiten sind \(h=0.5,\ 0.25,\ 0.125\), Anfangswerte wieder \(y(0) = 0.7\). Die schwarzen Balken dokumentieren die Halbierung des globalen Fehlers an der Stelle 2 bei Halbierung der Schrittweite.

In der Datei (=vorige) ist der Fehlerbalken einzuschalten.
y2minusx-Euler.ggb
Abschnitt
5.6.2
Seite 454
Auflage 1:
Seite 405


Abb. 5.47 Heunverfahren für \(y'=y^2-x\) schrittweise und im ganzen Verlauf.
a) ist ein Ausschnitt aus c), und b) zeigt den in a) sichtbaren 4. Verfahrensschritt vergrößert im zweiten Grafikfenster von GeoGebra. Daraus sind \(P_3\), \(P_4\) und die Richtung nach \(P_4\) (orange) aus der Konstruktion in b) übertragen worden und demonstrieren die Korrektheit des geometrischen Verfahrens.
Speziell b): Mit der in \(P_3\) gültigen (lila) Pfeilrichtung erreicht man im Abzissenabstand \(h=0.5\) den Zwischenpunkt \(Z\), in dem die durch den hellgrünen Vektor bzw. die grüne Gerade gezeigte Richtung gilt. Der Mittelwert der beiden Geradensteigungen ist hier geometrisch durch die durch \(M\) gemittelte Strecke und die blau-gestrichelte Gerade \(MZ\) visualisiert. Auf einer Parallelen zu ihr durch \(P_3\) erreicht man an der Abszisse von \(Z\) Punkt \(P_4\).
y2minusx-Heun.ggb
  In c) ist ein Bild einer "multifunktionalen" GeoGebra-Datei gezeigt. Hier können Sie nicht nur die Schrittweite \(h\) und den Start \(A\) steuern, sondern mit \(\alpha\) mehrere der im Folgenden dargestellten Verfahren auswählen. Hier gilt \(\alpha=1\) und \(A:\, y(0) = 0.7\). Vergleichen Sie mit dem Eulerverfahren Abb. 5.45, das man mit \(\alpha=0\) erhält, und mit dem modifizierten Eulerverfahren in Abb. 5.49, das \(\alpha=0.5\) erfordert. y2minusx-Heun-mit-alpha.ggb

5.6.2 HeunVerfahren
Abschnitt
5.6.2
Seite 455
Auflage 1:
Seite 405


Abb. 5.48 Heunverfahren für \(y'=y^2-x\). Schrittweiten sind \(h=1,\ 0.5,\ 0.25\). Drei Fehlerbalken sind hervorgehoben und zeigen, dass sich der globale Fehler viertelt, wenn die Schrittweite halbiert wird. Vergleichen Sie mit Abb. 5.46.

In der Datei (=vorige) ist die Fehlergerade einzuschalten.
y2minusx-Heun-mit-alpha.ggb
Abschnitt
5.6.2.2
Seite 457
Auflage 1:
Seite 408



y2minusx-Euler-modi.ggb
y2minusx-Euler-modi-mit-alpha.ggb
Abb. 5.49 Modifiziertes Eulerverfahren \(y'=y^2-x\) schrittweise und im gesamten Verlauf.
a) und b) Der Schritt von \(P_3=(1.5,0.964)\) nach \(P_4\) wird genau betrachtet. Zum Zwischenpunkt \(Z\) (violett) gelangt man mit einem Eulerschritt mit \(m_3=f(x_3,y_3)\). Der Hilfspunkt \(H\) auf der Hälfte der Strecke \(\overline{P_3 Z}\) ist \(H=(x_3+\frac{h}{2}, y_3+m_3\cdot\frac{h}{2})\). Dort hat das Richtungfeld die Steigung \(m_H=f(x_H,y_H)\) (hellblau). Mit dieser Steigung vollzieht man einen ganzen Eulerschritt und gelangt zu \(P_4=(x_3+h,y_3+m_H\cdot h)\).
b) zeigt dieses Vorgehen in größerem Maßstab im zweiten Grafikfenster von GeoGebra. Die gelbe Gerade und \(P_4\) sind in das Hauptfenster a) übertragen worden. Man erkennt die übereinstimmung.
c) Gesamtverlauf mit Startpunkt \(A\colon\ y(0)=0.7\). Vergleichen Sie mit Abb. 5.45, Abb. 5.47 c) und Abb. 5.51 b).

5.6.3 Numerische Integration liefert Verfahren für DGLn
Abschnitt
5.6.3
Seite 459
Auflage 1:
Seite 410


Abb. 5.50 Einsatz von numerischer Integration für DGLn. a) Riemann'sche Summe \(\to\) Eulerverfahren, b) Mittenregel \(\to\) modifiziertes Eulerverfahren, c) Trapezregel \(\to\) Heunverfahren, d) Kepler'sche Regel \(\to\) ? Lesen Sie den Text im Buch!

5.6.4 RungeKutta-Verfahren
Abschnitt
5.6.4
Seite 460
Auflage 1:
Seite 411


Abb. 5.51 Runge-Kutta-Verfahren.
a) Skizze eines Schrittes von \(P_3\) aus:
Die Hilfspunkte werden in folgender Reihenfolge aufgesucht:
Mit \(m_3\) (lila) einen halben Eulerschritt zu \(H\), dort findet man \(m_H\) (hellblau).
Mit \(m_H\) einen halben Eulerschritt zu \(R\), dort findet man \(m_r\) (grün).
Mit \(m_r\) einen ganzen Eulerschritt zu \(S\), dort findet man \(m_s\) (violett).
Der Zielpunkt \(P_4{=}(x_4,y_4)\) wird mit einem ganzen Eulerschritt erreicht (rot), bei dem man \(m = \frac{1}{6}(m_3+2m_H+2m_R+m_S)\) verwendet.
b) Die Punkte des Runge-Kutta-Verfahrens liegen praktisch perfekt auf der Lösungskurve.
y2minusx-RungeKutta.ggb
Abschnitt
5.6.4
Seite 461
Auflage 1:
Seite 411


Abb. 5.52 Numerische DGL-Verfahren für \(y'=y^2-x\) im Vergleich mit \(h=0.5\). Der exakte Wert (blau) an der Stelle \(x=3\) ist \(y(3)=-1.47393\). Das Runge-Kutta-Verfahren (rot) bringt: \(y(3)\approx -1.50044\), das ist ein Fehler von nur \(1.4\%\). Modifiziertes Eulerverfahren (ocker): \(y(3)\approx -1.3515\), Heun (lila): \(y(3)\approx -1.1338\), Euler (grün): \(y(3)\approx 0.9641\). \(A\) ist beweglich.
y2minusx-alle-Vergleich-Pfeile.ggb
y2minusx-alle-Vergleich.ggb

5.6.5 Skurrile DGLn
Abschnitt
5.6.5
Seite 462
Auflage 1:
Seite 412


Abb. 5.53 \(y'=y^2-x\) exakt gelöst. Eine Vielzahl von numerisch bestimmen Lösungen ist in Abb.5.53 und 5.54 dargestellt.


Lösung-y'=y2-x, Mathematica Quelltext

Dies zum Lesen und Verstehen
Abschnitt
5.6.5
Seite 463
Auflage 1:
Seite 413


Abb. 5.54 \(y'=y^2-x\) exakt gelöst, aber numerisch ungenau. Wenn man statt der Airy-Funktionen die ursprünglichen Besselfunktionen verwendet, gerät selbst Mathematica hier offenbar in numerische Schwierigkeiten, wie man am rechten Bildrand deutlich sieht. Auch ist diese "Lösungskurve" bei \(x=0\) plötzlich unstetig. Tatsächlich wurden hier die Realteile der scheinbar komplexen Lösungen gezeichnet, was aber am Ergebnis nichts ändern dürfte, da die Lösungen ja eigentlich reell sind.


Lösung-y'=y2-x, Mathematica Quelltext
Dies zum Lesen und Verstehen

5.6.6 Weitere Methoden und Aspekte
5.6.6.1 Implizite Verfahren

5.6.6.2 Mehrschritt- Verfahren
Abschnitt
5.6.6.2
Seite 465
Auflage 1:
Seite 415



Bei allen ist nur des Bild anzusehen.
Abb. 5.55 Mehrschrittverfahren veranschaulicht. a) explizites Mehrschrittverfahren, der rote Punkt ergibt sich aus Formel 5.1, b) implizites Mehrschrittverfahren, \(p_{n+1}\) wird mit unbekanntem \(y_1\) aufgestellt, c) leapfrog-Verfahren. Bei letzterem ist der Integrationsbereich ein anderer, nämlich von \(x_{-1}\) bis \(x_1\). Das Integral wird durch die Mittenregel approximiert, weshalb nur \(f(x_0,y_0)\) in die Rechnung eingeht.
DGLnumMehrschritt1.ggb
DGLnumMehrschritt2.ggb
DGLnumleapfrog3.ggb

5.6.6.3 Systeme von DGLn

5.6.6.4 Stabilität und steife DGLn
Abschnitt
5.6.6.4
Seite 466
Auflage 1:
Seite 417


Abb. 5.56 Das Eulerverfahren ist instabil. Die DGL \(y' = -\lambda y\) zu den Anfangswerten \(y(0) =1\) hat die exakte Lösung \(y(x) = {\rm e}^{-\lambda x}\). Sie wird mit dem Eulerverfahren approximiert. Im Bild ist \(\lambda = 5\). In a), b), c) sind die Schrittweiten \(h=0.45,\ 0.4,\ 0.35\). Bei \(h>0.4\) wird das Verfahren instabil!
DGLnumEulerinstabil.ggb
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und TIPPS

Liste der Zusätze
05 Numerik
Anregungen und Lösungen

Erstellt: Dez.2020, Update 21. Oktober 2024
 Prof. Dr. Dörte Haftendorn  Prof. Dr. Dieter Riebesehl  Dipl.-Math. Dipl.-Ing. Hubert Dammer